Fall-durch-die-Erde-Rechner
Berechnen Sie genau, wie lange es dauert, durch einen hypothetischen Tunnel zu fallen, der durch das Zentrum der Erde gebohrt wurde. Erkunden Sie das klassische ~42-Minuten-Gravitationszug-Problem sowohl mit gleichmäßiger Dichte als auch mit realistischen variablen PREM-Dichtemodellen. Sehen Sie die Höchstgeschwindigkeit im Erdkern, erleben Sie das Timing der Schwerelosigkeit und vergleichen Sie es mit realen Reisegeschwindigkeiten.
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Fall-durch-die-Erde-Rechner
🌍 Innerer Aufbau der Erde
Die Erde ist keine gleichmäßige Kugel – sie besteht aus verschiedenen Schichten mit sehr unterschiedlichen Dichten, was die Berechnung des Gravitationszugs maßgeblich beeinflusst.
📐 Die Physik hinter dem Gravitationszug
Der Gravitationszug ist ein klassisches Gedankenexperiment der Physik. Stellen Sie sich vor, man bohrt einen reibungsfreien, luftleeren Tunnel mitten durch die Erde und lässt ein Objekt hineinfallen. Was passiert?
Modell mit gleichmäßiger Dichte: Innerhalb einer gleichmäßigen Kugel trägt nur die Masse zur Schwerkraft bei, die sich näher am Mittelpunkt befindet als man selbst (Newton'sches Schalentheorem). Dies ergibt ein lineares Gravitationsprofil:
wobei \(g_0 = 9{,}81\) m/s² die Erdbeschleunigung an der Oberfläche ist, \(r\) die Entfernung vom Mittelpunkt und \(R = 6.371\) km der Erdradius.
Dies erzeugt eine einfache harmonische Schwingung mit der Winkelfrequenz:
Die einfache Reisezeit entspricht der halben Schwingungsperiode:
🤯 Erstaunlicher Fakt: Diese Reisezeit ist exakt gleich, egal durch welche Sehne man den Tunnel bohrt! Ein Tunnel von New York nach London (nicht durch das Zentrum) dauert genauso lange (42 Minuten) wie ein Tunnel direkt durch den Kern. Die kürzere Strecke wird exakt durch die schwächere Gravitationsbeschleunigung entlang des Tunnels ausgeglichen.
Variables PREM-Dichtemodell: Die reale Erde hat einen dichten Eisen-Nickel-Kern (13 g/cm³), der von einem leichteren Gesteinsmantel (3–5 g/cm³) umgeben ist. Das bedeutet, dass die Schwerkraft beim Abstieg durch den Mantel tatsächlich zunimmt (mit einem Maximum von ~10,68 m/s² an der Kern-Mantel-Grenze in 2.891 km Tiefe) und dann durch den Kern abnimmt. Das Ergebnis: eine stärkere Anfangsbeschleunigung und eine kürzere Reisezeit von etwa 38 Minuten.
💨 Höchstgeschwindigkeit im Zentrum
Im Erdmittelpunkt wurde die gesamte Gravitationsbeschleunigung in kinetische Energie umgewandelt. Die maximale Geschwindigkeit beträgt:
Dies entspricht etwa Mach 23 – der 23-fachen Schallgeschwindigkeit! Es ist auch genau gleich der Orbitalgeschwindigkeit an der Erdoberfläche, was kein Zufall ist: Der Gravitationszug ist mathematisch äquivalent zu einem entarteten (abgeflachten) Orbit.
📐 Sehnentunnel: Die überraschende Abkürzung
Ein Sehnentunnel verbindet zwei Punkte auf der Erdoberfläche, ohne durch das Zentrum zu führen. Für eine Sehne mit dem Zentriwinkel \(\theta\):
- Tunnellänge: \(L = 2R\sin(\theta/2)\)
- Maximale Tiefe: \(d = R(1 - \cos(\theta/2))\)
- Höchstgeschwindigkeit: \(v_{max} = \omega R\sin(\theta/2)\) (niedriger als diametral)
- Reisezeit: Immer noch \(\pi\sqrt{R/g_0} \approx 42\) Minuten!
Die gleiche Reisezeit für alle Sehnen ist eine direkte Folge der Isochronie-Eigenschaft der einfachen harmonischen Bewegung – die gleiche Eigenschaft, die die Periode eines Pendels unabhängig von der Amplitude macht (bei kleinen Auslenkungen).
🛠 Warum können wir das nicht wirklich bauen?
Obwohl der Gravitationszug ein schönes theoretisches Konstrukt ist, machen mehrere praktische Hindernisse die Umsetzung mit heutiger Technologie unmöglich:
- Temperatur: Der Erdkern erreicht 5.500 °C (so heiß wie die Sonnenoberfläche). Kein bekanntes Material hält diesen Temperaturen stand.
- Druck: Im Zentrum übersteigt der Druck 360 GPa (3,6 Millionen Atmosphären). Die Tunnelwände müssten enormen Quetschkräften widerstehen.
- Luftwiderstand: Selbst wenn der Tunnel leergepumpt wird, ist es unpraktisch, ein perfektes Vakuum über 12.742 km aufrechtzuerhalten. Jede Luft würde Reibung und Hitze erzeugen.
- Corioliskraft: Die Erdrotation würde das fallende Objekt gegen die Tunnelwände drücken, was Magnetlevitation oder einen gekrümmten Tunnel erfordern würde.
- Gezeiteneffekte: Mond und Sonne würden leichte Abweichungen in der Flugbahn verursachen.
Dennoch hat das Konzept reale Vorschläge für „Gravitationszüge“ zwischen nahegelegenen Städten mit kürzeren, flacheren Tunneln inspiriert – im Grunde eine Hightech-Version einer Achterbahn!
📜 Historischer Hintergrund
Das Konzept des Gravitationszugs hat eine reiche Geschichte in Physik und Science-Fiction:
- 1638: Galileo Galilei dachte erstmals über das Problem des Falls durch die Erde nach.
- 1687: Isaac Newtons Principia lieferte das Schalentheorem, das zur Lösung benötigt wurde.
- 1966: Paul Cooper veröffentlichte „The Gravity Train“ im American Journal of Physics und machte das Sehnentunnel-Ergebnis bekannt.
- 2015: Alexander Klotz veröffentlichte eine verfeinerte Berechnung unter Verwendung des PREM-Modells und kam auf die Reisezeit von ~38 Minuten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
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